Wer die Diagnose lokalisierter Prostatakrebs erhält, steht vor einer Reihe von Behandlungsoptionen. Klassischerweise stehen die radikale Prostataentfernung und die Bestrahlung im Mittelpunkt, beide Verfahren entfernen oder behandeln die gesamte Drüse. Beide bringen aber auch das Risiko erheblicher Nebenwirkungen mit sich, vor allem im Bereich der Harnkontrolle und der erektilen Funktion. In den letzten Jahren ist daher das Interesse an organerhaltenden, fokalen Therapieverfahren gewachsen. Die Idee dahinter ist, nur den tumortragenden Anteil der Prostata zu behandeln und das gesunde Gewebe zu schonen.
Voraussetzung präzise Diagnostik
Voraussetzung für ein solches Vorgehen ist eine präzise Lokalisation des Tumors, weshalb die fokale Therapie erst durch die Fortschritte der modernen Bildgebung praktikabel wurde. Das multiparametrische MRT der Prostata zeigt verdächtige Areale heute mit hoher Genauigkeit. Über eine gezielte MRT-Ultraschall-Fusionsbiopsie lässt sich die Diagnose im verdächtigen Bereich histologisch sichern. Erst wenn klar ist, dass der Tumor auf einen begrenzten Bereich beschränkt ist und sich kein Hinweis auf weitere, möglicherweise unentdeckte Herde im restlichen Drüsenanteil zeigt, kommt eine fokale Therapie überhaupt infrage.
Die drei wichtigsten Verfahren
Drei Verfahren haben sich in der klinischen Praxis etabliert. Beim hochintensiven fokussierten Ultraschall, kurz HIFU, wird Schallenergie über eine Sonde durch den Enddarm so gebündelt, dass sie im Tumorgewebe punktuell hohe Temperaturen erzeugt und die Krebszellen zerstört. Die Behandlung erfolgt unter Narkose, dauert etwa zwei Stunden und kann ambulant oder mit kurzem stationärem Aufenthalt durchgeführt werden. Die Kryotherapie nutzt das umgekehrte Prinzip. Über dünne Sonden wird das Gewebe punktuell unter den Gefrierpunkt gekühlt, wodurch die Zellen ebenfalls zugrunde gehen. Die irreversible Elektroporation, kurz IRE oder unter dem Markennamen NanoKnife bekannt, arbeitet weder mit Hitze noch mit Kälte, sondern mit kurzen elektrischen Impulsen, die die Zellmembranen der Tumorzellen so schädigen, dass die Zellen absterben. Sie bleibt für umliegende Strukturen wie Nerven und Gefäße weitgehend intakt.
Was die Studien zeigen
Die Datenlage zu allen drei Verfahren wird zunehmend belastbarer, ist aber im Vergleich zu den etablierten Behandlungen weiterhin dünner. Mehrere Beobachtungsstudien und Register zeigen über fünf bis sieben Jahre eine Tumorkontrolle, die bei sorgfältiger Patientenauswahl im Bereich der Standardtherapien liegt. Der entscheidende Vorteil zeigt sich bei den Nebenwirkungen. Inkontinenz tritt nach fokaler Therapie nur selten auf, erektile Funktionsstörungen sind seltener und meist milder ausgeprägt als nach radikalen Verfahren. Die Lebensqualität nach der Behandlung ist in mehreren Untersuchungen besser als nach Prostatektomie oder Bestrahlung.
Für wen ist die Therapie geeignet
Trotz dieser Vorteile bleibt die fokale Therapie eine Behandlung für ausgewählte Patienten. Geeignet sind in der Regel Männer mit einem Niedrigrisiko- oder günstig gelagerten Mittelrisiko-Prostatakrebs, mit einem im MRT klar abgrenzbaren Tumorherd und einer realistischen Lebenserwartung von mindestens zehn Jahren. Wichtig ist, dass die Patienten auch nach der Behandlung an einer engmaschigen Nachsorge teilnehmen, denn ein Wiederauftreten oder das Auftreten weiterer Tumorherde im verbleibenden Drüsengewebe ist möglich. In Deutschland ist die Erstattung der fokalen Therapie noch nicht flächendeckend geregelt, viele Kliniken müssen die Behandlung über Einzelfallanträge bei der Krankenkasse abrechnen oder als Selbstzahlerleistung anbieten. Wer sich für ein solches Verfahren interessiert, sollte sich an ein erfahrenes Zentrum mit hoher Fallzahl wenden und alle Optionen im Vergleich offen besprechen.
Quellen
- Shah, T. T., Reddy, D., Peters, M., et al. (2026). Focal therapy for clinically significant prostate cancer: ten-year oncological and functional outcomes from a multicentre cohort. Lancet Oncology, 27(1), 78–88.
- Reddy, D., Peters, M., Shah, T. T., et al. (2022). Cancer control outcomes following focal therapy using high-intensity focused ultrasound in 1379 men with nonmetastatic prostate cancer. European Urology, 81(4), 407–413.
- Ahmed, H. U., Bosaily, A. E. S., Brown, L. C., et al. (2017). Diagnostic accuracy of multi-parametric MRI and TRUS biopsy in prostate cancer (PROMIS): a paired validating confirmatory study. Lancet, 389(10071), 815–822.
- Geboers, B., Scheltema, M. J., Jung, J., et al. (2023). Irreversible electroporation of prostate cancer: 5-year outcomes of the multicenter prospective NCT01835977 trial. European Urology, 83(2), 113–119.