Therapie

Enfortumab Vedotin + Pembrolizumab: Neuer Erstlinienstandard beim metastasierten Blasenkrebs

Dezember 2025
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Für Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem Blasenkrebs hat sich die therapeutische Landschaft mit der Zulassung der Kombination aus Enfortumab Vedotin und Pembrolizumab grundlegend gewandelt. Über Jahrzehnte galt eine platinhaltige Chemotherapie aus Cisplatin und Gemcitabin als Standardbehandlung. Sie ist wirksam, aber das mittlere Überleben lag selbst bei guter Verträglichkeit kaum über 16 Monaten. Mit der neuen Kombinationstherapie verändert sich diese Bilanz erheblich, sodass die Erstlinientherapie in den Leitlinien völlig neu geordnet wurde.

Die Daten der EV-302-Studie

Den Wendepunkt markierte die EV-302-Studie, deren Ergebnisse 2024 im New England Journal of Medicine publiziert wurden. Insgesamt 886 Patienten mit unbehandeltem fortgeschrittenem Urothelkarzinom wurden entweder mit der Standardchemotherapie oder mit der neuen Kombination behandelt. Das mediane Gesamtüberleben verdoppelte sich nahezu, von 16,1 auf 31,5 Monate. Auch das progressionsfreie Überleben verbesserte sich erheblich. Eine objektive Tumorrückbildung zeigte sich bei zwei von drei Patienten unter der Kombination, fast jeder dritte erreichte sogar ein vollständiges Verschwinden der nachweisbaren Tumormasse.

Zwei Wirkprinzipien verbunden

Hinter dem Erfolg steht eine durchdachte Kombination zweier moderner Wirkprinzipien. Enfortumab Vedotin gehört zur Gruppe der Antikörper-Wirkstoff-Konjugate. Vereinfacht gesagt handelt es sich um einen Antikörper, der gezielt an ein Oberflächenprotein bindet, das auf nahezu allen Urothelkarzinomzellen vorkommt. An diesen Antikörper ist ein hochwirksames Zellgift gekoppelt, das erst nach dem Andocken an die Tumorzelle freigesetzt wird. So gelangt die Chemotherapie gezielt dorthin, wo sie wirken soll, und schont umliegendes Gewebe. Pembrolizumab wirkt über einen ganz anderen Mechanismus. Es löst eine Bremse des Immunsystems, sodass körpereigene Abwehrzellen den Tumor erkennen und angreifen können. Die beiden Substanzen ergänzen sich auf einer Weise, die ihre einzelne Wirkung deutlich übertrifft.

Nebenwirkungen erfordern Erfahrung

Wirksamkeit hat ihren Preis, und das gilt auch hier. Die Therapie bringt eine Reihe von Nebenwirkungen mit sich, die sorgfältig überwacht werden müssen. Hautausschläge treten bei mehr als der Hälfte der Patienten auf, sind meist mild, können in seltenen Fällen aber schwerwiegend werden. Eine Nervenschädigung an Händen und Füßen, die periphere Neuropathie, ist eine wichtige dosislimitierende Nebenwirkung und erfordert oft eine Anpassung der Dosis oder eine Therapiepause. Auch Blutzuckerentgleisungen und entzündliche Reaktionen an Lunge oder Schilddrüse durch die Immunkomponente sind möglich. Die Therapie gehört in die Hand erfahrener uro-onkologischer Zentren, die diese Nebenwirkungen früh erkennen und behandeln können.

Erweiterung des Anwendungsgebiets

Inzwischen ist das Anwendungsgebiet der Kombination sogar erweitert worden. Im November 2025 erteilte die amerikanische Zulassungsbehörde grünes Licht für den perioperativen Einsatz vor und nach einer geplanten Blasenentfernung bei Patienten, die für eine klassische Cisplatin-Chemotherapie nicht infrage kommen. Damit eröffnet sich erstmals eine wirksame medikamentöse Vorbehandlung für jene rund die Hälfte der Patienten mit muskelinvasivem Blasenkrebs, denen diese Option bisher fehlte. Die europäische Zulassung in dieser zusätzlichen Indikation wird in den nächsten Monaten erwartet. Für Betroffene bedeutet das, dass die Frage nach einer geeigneten medikamentösen Begleittherapie heute fast immer mit Ja beantwortet werden kann.

Quellen

  1. Powles, T., Catto, J. W. F., Galsky, M. D., et al. (2025). Perioperative enfortumab vedotin plus pembrolizumab in muscle-invasive bladder cancer (EV-303): primary results of a phase 3 trial. New England Journal of Medicine, 393(6), 514–524.
  2. Powles, T., Valderrama, B. P., Gupta, S., et al. (2024). Enfortumab Vedotin and Pembrolizumab in Untreated Advanced Urothelial Cancer (EV-302/KEYNOTE-A39 trial). New England Journal of Medicine, 390(10), 875–888.
  3. Hoimes, C. J., Flaig, T. W., Milowsky, M. I., et al. (2023). Enfortumab Vedotin Plus Pembrolizumab in Previously Untreated Advanced Urothelial Cancer. Journal of Clinical Oncology, 41(1), 22–31.
  4. European Medicines Agency. (2024). Padcev (enfortumab vedotin) — assessment report. European Public Assessment Report, EMA/CHMP/512300/2024.