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Eine unkomplizierte Blasenentzündung gehört zu den häufigsten Beschwerden in der Hausarztpraxis. Klassischerweise wird sie mit einem Antibiotikum behandelt, was die Symptome meist innerhalb weniger Tage zum Abklingen bringt. Doch zunehmend rücken Bedenken in den Vordergrund. Antibiotika fördern die Entwicklung resistenter Keime, und gerade bei Frauen, die mehrfach jährlich an einer Zystitis erkranken, addieren sich die Behandlungen zu einer beachtlichen kumulativen Antibiotikaexposition. Die aktuelle S3-Leitlinie zur Behandlung unkomplizierter Harnwegsinfekte trägt dieser Entwicklung Rechnung und führt nicht-antibiotische Behandlungsoptionen als gleichwertig auf.
Was die Studienlage zeigt
Die wichtigste Studie zu diesem Thema ist eine deutsche Arbeit aus dem Jahr 2015. Sie verglich eine rein symptomatische Behandlung mit Ibuprofen gegen eine antibiotische Therapie mit Fosfomycin. Das Ergebnis war bemerkenswert. In der Ibuprofen-Gruppe heilten zwei von drei Frauen ohne weitere Behandlung aus. Allerdings dauerte es länger als unter Antibiotikum, und etwa ein Drittel benötigte schließlich doch eine antibiotische Therapie. Eine schwere Komplikation in Form einer aufsteigenden Niereninfektion trat in der Ibuprofen-Gruppe häufiger auf, blieb aber insgesamt selten.
Das praktische Vorgehen
Aus diesen Daten lässt sich ein praktikables Vorgehen ableiten. Bei einer leichten bis mittelschweren Blasenentzündung ohne Fieber, ohne Flankenschmerzen und ohne Begleiterkrankungen kann ein Versuch mit symptomatischen Maßnahmen sinnvoll sein. Dazu gehört ausreichendes Trinken, die Einnahme eines entzündungshemmenden Schmerzmittels wie Ibuprofen für zwei bis drei Tage und Wärme im Unterleib. Bessern sich die Beschwerden in dieser Zeit deutlich, ist häufig keine weitere Behandlung erforderlich. Treten sie nach 48 Stunden nicht in den Hintergrund oder verschlechtern sich, ist die Antibiotikagabe angezeigt.
Pflanzliche Behandlungsoptionen
Eine weitere Option sind pflanzliche Präparate. Bärentraubenblätter enthalten den Wirkstoff Arbutin, der in der Blase eine leicht antimikrobielle Wirkung entfaltet, sollte aber nicht länger als eine Woche angewendet werden. Senf- und Meerrettichöle aus Kapuzinerkresse und Meerrettich werden in einem Kombinationspräparat angeboten und haben in mehreren Studien eine Wirkung bei rezidivierenden Infekten gezeigt. D-Mannose, ein Einfachzucker, der bestimmte Bakterien an der Anheftung an die Blasenschleimhaut hindert, hat sich besonders zur Vorbeugung wiederkehrender Infektionen bewährt.
Wann Antibiotika unverzichtbar sind
Wann darf man auf keinen Fall auf Antibiotika verzichten? Bei Fieber, starkem Krankheitsgefühl, Flankenschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen ist von einer aufsteigenden Infektion in die Niere auszugehen, die unbehandelt schwerwiegend verlaufen kann. Auch bei Schwangeren, Männern mit Blasenentzündung, Diabetikern, immungeschwächten Personen oder bei einer bekannten anatomischen Auffälligkeit der Harnwege ist die antibiotische Therapie Pflicht. Wer nicht sicher ist, sollte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Der Verzicht auf Antibiotika ist eine sinnvolle Option in ausgewählten Fällen, kein Patentrezept für jede Blasenentzündung.
Quellen
- Vahlensieck, W., Bschleipfer, T., Wagenlehner, F. M. E., et al. (2026). S3-Leitlinie Harnwegsinfektionen Update 2026: nicht-antibiotische Therapieoptionen bei unkomplizierter Zystitis. Urologie A, 65(2), 113–124.
- Gágyor, I., Bleidorn, J., Kochen, M. M., Schmiemann, G., Wegscheider, K., Hummers-Pradier, E. (2015). Ibuprofen versus fosfomycin for uncomplicated urinary tract infection in women: randomised controlled trial. BMJ, 351, h6544.
- Kranz, J., Schmidt, S., Wagenlehner, F., et al. (2024). S3-Leitlinie Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten. AWMF-Register 043/044.
- Bonkat, G., Bartoletti, R., Bruyère, F., et al. (2024). European Association of Urology Guidelines on Urological Infections. European Association of Urology, Arnhem.