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Beckenbodentraining für Männer: Übungen, Technik und Erfolgsaussichten

Mai 2025
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Beckenbodentraining gilt vielen noch immer als Frauenthema, doch in der Urologie hat sich diese Vorstellung längst überholt. Die Beckenbodenmuskulatur des Mannes ist anatomisch ähnlich aufgebaut wie die der Frau und übernimmt vergleichbar wichtige Funktionen. Sie hält die Blase und den Schließmuskel in Position, unterstützt die Kontrolle über den Harnstrahl und spielt auch für die erektile Funktion eine wesentliche Rolle. Wer regelmäßig trainiert, kann seine Kontinenz verbessern und nach urologischen Operationen die Erholung beschleunigen.

Die häufigste Indikation

Die häufigste Indikation für ein gezieltes Training ist die Zeit nach einer radikalen Prostataentfernung. Direkt nach der Operation ist nahezu jeder Patient zumindest vorübergehend inkontinent, weil die Anatomie des Schließmuskels durch die Operation belastet wurde. Mit konsequentem Training erreichen über 90 Prozent der Patienten innerhalb eines Jahres eine zufriedenstellende Kontrolle. Studien zeigen, dass schon ein Trainingsbeginn vor der Operation den Heilungsverlauf günstig beeinflusst. Auch bei einer überaktiven Blase, bei Belastungsinkontinenz und bei manchen Formen der erektilen Dysfunktion ist Beckenbodentraining wirksam.

Den Beckenboden wahrnehmen lernen

Der erste Schritt beim Training ist, den Beckenboden überhaupt wahrzunehmen. Eine bewährte Methode dafür ist der Versuch, beim Wasserlassen den Strahl kurz anzuhalten. Die Muskeln, die diese Bewegung ausführen, bilden den Beckenboden. Wichtig ist, diese Übung nur einmal zur Identifikation zu nutzen und nicht regelmäßig beim Pinkeln, weil sie sonst die Blasenentleerung stören könnte. Ein anderer Anhaltspunkt ist das Anspannen, als wolle man einen Wind unterdrücken. Auch das aktiviert die richtige Muskelgruppe.

So funktioniert das eigentliche Training

Das eigentliche Training besteht aus zwei Komponenten. In der ersten Übungsform werden die Beckenbodenmuskeln rhythmisch angespannt und wieder gelockert, etwa über zehn Wiederholungen mit jeweils zwei bis drei Sekunden Anspannung. Die zweite Komponente sind länger gehaltene Anspannungen über zehn Sekunden, gefolgt von ebenso langen Pausen. Beide Übungen ergänzen sich, weil die Beckenbodenmuskulatur sowohl schnell zuckende Fasern für plötzliche Belastungen wie Niesen oder Husten als auch langsame Fasern für die dauerhafte Kontinenz benötigt. Empfehlenswert sind drei Trainingseinheiten täglich mit jeweils etwa zehn Wiederholungen.

Erwartungen und Unterstützung

Wer mit dem Training beginnt, sollte realistische Erwartungen mitbringen. Die ersten spürbaren Effekte zeigen sich meist nach vier bis sechs Wochen, eine deutliche Verbesserung nach drei Monaten konsequenter Übung. Bei Schwierigkeiten beim Erspüren der Muskeln oder ausbleibendem Trainingserfolg lohnt sich die Anleitung durch einen spezialisierten Physiotherapeuten. Manche Praxen bieten zusätzlich Biofeedback-Geräte an, die über kleine Sensoren die Muskelaktivität sichtbar machen. Diese Hilfe kann gerade am Anfang sehr motivierend sein. Beckenbodentraining wirkt nicht über Nacht, aber es wirkt zuverlässig und gehört zu den wenigen Maßnahmen in der Urologie, bei denen der Patient selbst aktiv zur Heilung beitragen kann.

Quellen

  1. Hodges, P. W., Stafford, R. E., Coughlin, G., et al. (2025). Pelvic floor muscle training for urinary incontinence after radical prostatectomy: a randomised controlled trial of long-term outcomes. European Urology, 87(5), 612–620.
  2. Anderson, C. A., Omar, M. I., Campbell, S. E., Hunter, K. F., Cody, J. D., Glazener, C. M. A. (2015). Conservative management for postprostatectomy urinary incontinence. Cochrane Database of Systematic Reviews, 1, CD001843.
  3. Tienforti, D., Sacco, E., Marangi, F., et al. (2012). Efficacy of an assisted low-intensity pelvic floor rehabilitation programme in men following radical prostatectomy. BJU International, 110(7), 1004–1010.
  4. Geraerts, I., Van Poppel, H., Devoogdt, N., et al. (2013). Influence of preoperative and postoperative pelvic floor muscle training (PFMT) on early continence after radical prostatectomy: A randomized controlled trial. European Urology, 64(5), 766–772.