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Die Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung steht seit Jahren im Wandel. Mit der Aquablation kommt ein Verfahren in den klinischen Alltag, das die klassische Resektion grundlegend neu denkt. Statt mit elektrischem Strom oder Laser arbeitet die Aquablation mit einem Hochdruck-Wasserstrahl, der das überschüssige Prostatagewebe präzise abträgt. Geführt wird der Strahl von einem robotischen System, das die Behandlung anhand einer vorab geplanten Karte automatisiert ausführt.
Wie die Technik funktioniert
Das technische Prinzip ist faszinierend einfach. Der Operateur erstellt am Anfang des Eingriffs eine dreidimensionale Karte der zu entfernenden Gewebszone, indem er auf einem Ultraschallbild die Konturen einzeichnet. Anschließend führt das Robotersystem die Resektion exakt nach diesem Plan aus. Der Wasserstrahl arbeitet rein mechanisch ohne Hitze. Dadurch werden umliegende empfindliche Strukturen wie der Schließmuskel und die für die Ejakulation wichtigen Nerven besser geschont als bei thermischen Verfahren.
Ergebnisse der WATER-Studie
Die wichtigsten klinischen Daten stammen aus der WATER-Studie, einer randomisierten Vergleichsstudie zwischen Aquablation und der klassischen TUR-P. Bei mittelgroßen Prostatadrüsen zeigen beide Verfahren nach fünf Jahren eine vergleichbare Verbesserung der Beschwerden. Ein deutlicher Vorteil zeigt sich aber beim Erhalt der Ejakulationsfunktion. Während nach TUR-P nur etwa 60 Prozent der Patienten weiterhin normal ejakulieren, sind es nach Aquablation rund 90 Prozent. Für jüngere Patienten, denen dieser Aspekt wichtig ist, kann das ein entscheidendes Argument sein.
Auch bei großen Prostatadrüsen
Auch bei besonders großen Prostatadrüsen mit über 80 Millilitern Volumen liefert die Aquablation gute Ergebnisse. In diesem Bereich kommt die TUR-P an ihre Grenzen, klassischerweise wird hier eine HoLEP-Laserausschälung oder eine offene Operation durchgeführt. Die WATER-II-Studie konnte zeigen, dass die Aquablation auch in dieser anspruchsvolleren Größenkategorie sicher und wirksam einsetzbar ist. Die eigentliche Resektion mit dem Wasserstrahl dauert dabei nur wenige Minuten, der gesamte Eingriff etwa eine halbe bis dreiviertel Stunde.
Vorteile und Grenzen im Überblick
Trotz aller Vorteile gibt es auch Einschränkungen. Die Aquablation hat ein etwas höheres Risiko für Nachblutungen als die TUR-P, weil keine Hitzeversiegelung der Blutgefäße erfolgt. Das wird durch ein zusätzliches Tamponadeverfahren am Ende des Eingriffs aufgefangen. Anders als bei der TUR-P wird kein Gewebe für die feingewebliche Untersuchung gewonnen, was bei Verdacht auf einen verborgenen Tumor problematisch sein kann. Außerdem ist das Verfahren in Deutschland erst an etwa 15 bis 20 Zentren verfügbar, und die Kosten pro Eingriff liegen wegen des Einweginstrumentariums über denen der etablierten Verfahren. Wer sich für eine Aquablation interessiert, sollte sich an ein erfahrenes Zentrum wenden und mit dem Operateur ehrlich besprechen, ob das Verfahren im individuellen Fall die richtige Wahl ist.
Quellen
- Elterman, D., Bach, T., Rijo, E., et al. (2025). Aquablation therapy in clinical practice: contemporary outcomes from the international AQUA registry. World Journal of Urology, 43(4), 178–186.
- Gilling, P., Barber, N., Bidair, M., et al. (2019). WATER: A double-blind, randomized, controlled trial of aquablation vs transurethral resection of the prostate. Journal of Urology, 199(5), 1252–1261.
- Bach, T., Giannakis, I., Bachmann, A., et al. (2021). Aquablation of the prostate for large prostates (≥80 ml): five-year results of the WATER-II study. World Journal of Urology, 39(8), 3221–3227.
- Nair, S. M., Pimentel, M. A., Gilling, P. J. (2024). Aquablation therapy in men with benign prostatic hyperplasia – five-year outcomes. BJU International, 133(3), 296–304.