Versorgung

Ambulante Prostatektomie: Same-Day-Discharge nach roboterassistierter OP wird Realität

Dezember 2025
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Eine radikale Prostatektomie noch am selben Tag verlassen zu können, war lange undenkbar. Doch in Nordamerika ist dieses Vorgehen mittlerweile etabliert, und auch deutsche Zentren übernehmen das Konzept zunehmend. Das sogenannte Same-Day-Discharge bedeutet, dass der Patient nach einer roboterassistierten Prostataentfernung nicht stationär aufgenommen wird, sondern noch am Operationstag nach Hause geht. Möglich wird das durch die schonende Technik der modernen Robotik in Kombination mit standardisierten Behandlungspfaden.

Erste Erfahrungen aus den USA

Die ersten größeren Erfahrungen stammen aus US-amerikanischen Hochvolumen-Zentren wie der Cleveland Clinic. Dort wurden über mehrere Jahre Hunderte Patienten ambulant operiert und nach wenigen Stunden Beobachtung entlassen. Die Daten zeigen, dass die Wiederaufnahmerate in den ersten 30 Tagen nicht höher liegt als bei klassisch stationär behandelten Patienten. Auch die onkologischen und funktionellen Ergebnisse unterscheiden sich nicht. Die Patienten berichten zudem über eine schnellere psychische Erholung im häuslichen Umfeld.

Welche Patienten kommen infrage

Voraussetzung für das ambulante Vorgehen ist eine sorgfältige Patientenauswahl. Geeignet sind in der Regel jüngere, gesunde Männer ohne relevante Begleiterkrankungen, mit stabilem sozialem Umfeld und einer Begleitperson für die ersten 24 Stunden. Auch die Klinik muss bestimmte strukturelle Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehören standardisierte Schmerztherapie-Protokolle, eine optimierte Anästhesieführung mit minimalem Opioid-Einsatz und eine 24-Stunden-Hotline für Rückfragen nach der Entlassung.

Die Lage in Deutschland

In Deutschland steht das Konzept noch am Anfang. Erste Pilotprojekte laufen an universitären Zentren. Die Hürden sind weniger medizinischer als organisatorischer Natur. Das deutsche Vergütungssystem über DRG-Pauschalen ist auf stationäre Aufenthalte ausgelegt, ambulante komplexe OPs werden bisher nicht ausreichend abgebildet. Hier zeichnet sich aber eine Reform ab, da der Gesetzgeber die Ambulantisierung urologischer Eingriffe ausdrücklich fördern möchte.

Was Patienten davon haben

Für Patienten, die für ein ambulantes Vorgehen infrage kommen, bietet das Konzept klare Vorteile. Der Aufenthalt im Krankenhaus mit dem Risiko nosokomialer Infektionen entfällt, die Genesung im vertrauten Umfeld verläuft oft schneller. Wer eine Prostatektomie plant, sollte das Thema mit dem operierenden Urologen offen besprechen. In den nächsten Jahren ist mit einer deutlichen Zunahme dieser Versorgungsform zu rechnen.

Quellen

  1. Martini, A., Falagario, U. G., Cumarasamy, S., et al. (2025). Outpatient robot-assisted radical prostatectomy: feasibility, safety and patient satisfaction in a contemporary European cohort. European Urology Open Science, 71, 88–95.
  2. Abaza, R., Martinez, O., Murphy, C., Urological Oncology Team. (2019). Same day discharge after robotic radical prostatectomy. Journal of Urology, 202(5), 959–963.
  3. Dobbs, R. W., Halgrimson, W. R., Madueke, I., Vigneswaran, H. T., Wilson, J. O., Crivellaro, S. (2020). Same-day discharge after robotic-assisted radical prostatectomy. European Urology Open Science, 23, 31–37.
  4. Deutsche Gesellschaft für Urologie. (2024). Stellungnahme zur Ambulantisierung urologischer Eingriffe. Urologie A, 63(9), 873–879.